Der in Hamburg lebende Künstler Nir Alon (geb. 1964 in Israel) arbeitet mittels seiner Installationen an der Fragwürdigkeit der Einrichtung unserer Lebenswelt im direkten und übertragenen Sinne.
Schwerpunkt seiner Arbeiten ist das balanceartige Zusammenspiel von Objekten, die den Eindruck dauerhafter und spannungsreicher Labilität ergeben. Seine Skulpturen, die er aus vorgefundenen alltäglichen Gegenständen (Möbel, Koffer, Lampen, Glühbirnen, Kabel u.a.) anfertigt, werden nie in der stabilen Umgebung seines Ateliers hergestellt, sondern am Ausstellungsort raumbezogen entwickelt. Es sind Objekte, die ihren eigenen Funktionsbereich längst verlassen haben, Gegenstände, die von Menschen zumeist jahrelang benutzt wurden und Geschichten des Alltags erzählen.
Die aktuelle Ausstellung Oh, the promised land ist der letzte eines fünfteiligen Arbeitsprozesses, der mit der Ausstellung in case of leftovers in unseren Galerieräumen im Jahr 2005 begann. Es folgten die Ausstellungen we just make a trip, You‘re speaking my language und The state of things in deutschen und israelischen Galerien.
In der jetzigen Ausstellung liegt der Schwerpunkt auf Alons Zeichnungen, in denen er sich mit der Kultur und Gesellschaft, in der er lebt, auseinandersetzt.
Der Titel Oh, the promised land hat dabei zwei Bedeutungen: zum einen die Kultur und Sprache seiner seit Staatsgründung krisenreichen Heimat Israel, nach der er sich sehnt, wenngleich sie für ihn nicht mehr existiert und nur noch ein Wunschdenken ist. Zum anderen verweist der Künstler mit dem Titel auf seine aktuelle Heimat Deutschland, in der er sich ein neues Leben aufgebaut hat und welches zu einem neuen „Promised Land“ werden könnte. Es kommt auf die Definition an, ob es das Land ist, welches einst ihn und seine originäre Kultur enttäuscht hat, ihm nun aber vielleicht einen besseren Ort verspricht, oder es vielleicht auch hier nur bei einem Wunschdenken bleiben wird.
Aus diesem Grund hat sich Nir Alon dafür entschieden, neben zwei Installationen seinen Schwerpunkt auf Zeichnungen zu setzen, um seinen Betrachtern zu signalisieren: es ist (noch) nicht die Realität, nur ein Plan, lasst uns warten und sehen was kommt...
Vielleicht, so sagt er selbst, ist gerade diese Übergangssituation – nicht mehr Israeli zu sein aber auch noch nicht Deutscher – der einzige Weg, in einem „gelobten Land“ zu sein, womit das „Oh...“ am Anfang des Titels als trauriger Ausruf für das Verlorene oder aber auch als freudiger Ausruf für die Überraschung des Gefundenen gelesen werden kann.
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