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Sebastian Fath Contemporary zeigt zum Saisonstart eine Ausstellung, die sich gezielt mit dem Schwerpunkt des eigenen Galerieprogramms auseinandersetzt: reduzierte Formen internationaler Gegenwartskunst, noch spezifischer mit Positionen reduzierter Malerei. Es ist ein Anliegen der Ausstellung zu zeigen wie von Künstlern mit sehr begrenzten formalen Gestaltungsmitteln (Farbe, Fläche, Raum) viele verschiedene Lösungen gefunden werden, wie allein mit Farbe ohne an einer Gegenständlichkeit orientiert ein Bild geschaffen werden kann. Farbe wird als kategorialer Grundwert von Malerei selbst gemalt. Stephan Baumkötter (geb. 1958) »zeichnet« seine gegenstandslosen Bilder mit dicken Ölstiften. Die zum Weiß, Ocker und Braun tendierende Farbe legt sich in vielen Schichten übereinander und verdeckt Strukturen, die man im Bildraum »dahinterliegend« erahnt. Es entsteht eine vage Räumlichkeit mit diffusen Arealen und subtiler Farbigkeit, die sich einem identifizierenden Sehen, einem Erkennen-Müssen im alltäglichen Sinne, entzieht. Die neben- und übereinanderliegenden breiten „Striche“ werden dann teils mit dem Stift selbst ineinander gerieben oder mit dem Finger und Handballen verwischt und manipuliert. Baumkötter trägt bisweilen die Farbe und die Striche gerne über die Kante der Walze auf, so dass die Farbmaterie und die Strichrichtung unregelmäßig wirkt. Die Arbeiten von Joachim Grommek (geb. 1957) sind ohne direkte Referenz, rufen jedoch sofort imaginäre Vorläufer aus der Moderne auf. Grommek benutzt handelsübliche Spanplatte, grundiert diese weiß, und nutzt nun ein Repertoire verblüffender Trompe-l’œil: Mit der perfekten Illusion der Oberfläche von Spanplatte und verschiedenfarbigen Klebebändern stellt er Kompositionen her, die einst "ungegenständlich" genannt wurden. Grommek schlägt dem Begriff des Ungegenständlichen ein Schnippchen: Die dargestellten Materialien erzeugen ein unwiderstehlichen taktilen Reiz, man ist versucht, die Klebebänder abzuziehen, die Abstraktion wird durch sinnliches Interesse unterspült. Obwohl es sich hier um Darstellungen handelt, zwingt Grommek den Betrachter die Materialität der Arbeit, auch der nicht Sichtbaren, zu imaginieren. Er beschäftigt sich mit der Kunstfertigkeit der "Fälschung" "poverer" Materialien durch aufwändige Handarbeit, er stellt sich die echte Spanplatte hinter der gemalten vor, studiert die seitlichen Ränder des Bildes. Sieht man zunächst ein gemaltes Brett, erschließt sich nach und nach eine nicht mehr auflösbare Rückkopplung von Material und Darstellung. Das künstlerische Werk von Marcia Hafif (geb. 1929) dient der grundlegenden Untersuchung der Malerei. Sie beschäftigt sich tiefgehend mit der Frage „Was ist eigentlich Malerei?“. Die Amerikanerin arbeitet an einer künstlerischen Theorie, in der sowohl der Akt des Malens, als auch das Ergebnis dieses Tuns untersucht werden. In einzelnen Kapiteln, wie z.B. den Reihungen von Bildtafeln, werden in diesem Zusammenhang die Materialien und Techniken des Mediums dekonstruiert und systematisch erkundet. Dabei werden Formate, Art des Bildträgers, Farbmaterialien, Malwerkzeuge bis hin zur Technik des Farbauftrags im Vorfeld festgelegt. Der Farbe, dem Grundstoff der Malerei schlechthin, fällt dabei eine besondere Rolle zu. Sie wird als konkretes physikalisches Material untersucht, dessen Eigenschaften z.B. im Auftrag oder auch im Verhältnis der Farbtöne untereinander ausgetestet werden. Die Gemälde sind in der Regel monochrom und flächig. Dabei wird der Farbträger bis zu seiner Kante von einer meistens unvermischten Farbe gleichmäßig bedeckt. Im Ergebnis sind „nur“ Farbe, Farbauftrag und Bildträger sichtbar. Grundlage aller Gemälde bleibt immer die Idee, dass das Bild nichts darstellt und der Betrachter nur das sieht, was er sieht. Immer wieder besteht Russell Maltz (geb. 1952) darauf, dass es sich bei seinen Arbeiten um Malerei handelt. Dies mag insofern verwundern, als dass wir gemeinhin darunter eine bemalte und im besten Fall gerahmte Leinwand, ja ein Bild im klassischen Sinne verstehen. Maltz verwendet bei seiner Malerei dagegen unterschiedliche Trägermaterialien, Holz, Glas oder auch Metall. In der Regel mehrere Platten oder Latten, die mit maximal ein bis zwei Farben flächig bemalt wurden, werden so im Raum präsentiert. Kann ein Bild ein Körper sein? Kann dieser Körper als gemalte Farbe und als deren Erscheinung von Licht gleichzeitig konkret und immateriell sein? Kann ein Bild, das nichts darstellt oder abbildet, nicht Modell, Symbol oder Metapher sein möchte, als Objekt eine menschliche Nähe erlangen, die es von einem Design-Produkt unterscheidet? Diese Fragen um das Wesen von Malerei beschäftigen den MalerJoseph Marioni (geb. 1943) seit nunmehr dreißig Jahren. Marioni begann am Ende der sechziger Jahre in der Nachfolge des Abstrakten Expressionismus und zurzeit von Minimal- und Concept-Art damit, die flüssige Acrylfarbe mit der Farbrolle aufzutragen und sie weitgehend unkontrolliert über die Leinwand fließen zu lassen. Er war in den siebziger und achtziger Jahren einer der Wortführer des „Radical Painting“ und stand im Mittelpunkt dieser Gruppe mit ihren geographischen Zentren in New York und Köln. Mit Hilfe elementarer bildnerischer Mittel wurden die zumeist einheitlichen Farbklänge auf der Leinwand inszeniert und malereiimmanente Fragestellungen thematisiert. Willy Oster (geb. 1950) begreift Farbe als Element von Räumlichkeit. Die plastischen Farbobjekte bestimmen und definieren den Raum und bieten dem Betrachter einen physischen Widerpart. Mit seinen monochromen Bildwerken stößt Dirk Rathke (geb. 1968) immer wieder an die Grenzen der Malerei. Denn je nach Standort des Betrachters verändern die Bildobjekte ihre Gestalt, d.h. der Bildraum wird unentwegt durch die Interaktion von Betrachter und Umgebung neu gestaltet. Die von Rathke entworfenen Bildobjekte könnte man daher auch als "reduzierte Wandskulpturen" betrachten. Die neuen, monochromen Arbeiten von Dirk Rathke sind sehr farbintensiv. Dieser Prozess nimmt aufgrund der fein modifizierten Maltextur und Pigmenteigenschaften (körnig bzw. glatt, glänzend bzw. matt) sehr viel Zeit in Anspruch, da der Schattenwurf sowie die Verschattung der einzelnen Farbtöne äußerst bewusst berücksichtigt werden müssen. Dadurch wird das Wirkungsspektrum der unterschiedlichen, fein aufeinander abgestimmten Farbgebungen des Bildträgers intensiviert. Die Grundformen der Bildobjekte sind in der Regel Quadrate oder Rechtecke, welche einfach bzw. mehrfach in Segmente geteilt sein können, um anschließend einzeln um ihre eigene Achse gedreht zu werden, damit neuartige Bildformen entstehen. Die zusätzliche Bildtiefe - genauer der physisch sichtbare Bildraum der Objekte - entsteht dadurch, dass die sog. Bildfläche entweder an einer oder zwei Ecken kontinuierlich zu den anderen zwei oder drei Ecken ab- bzw. zunimmt. Folglich vermittelt die straff gespannte Leinwand eine leicht konkave oder konvexe Bildoberfläche. Den Arbeiten Dirk Rathkes wird so eine spezifische Identität durch das Zusammenspiel von Form, Farbe und Raum ermöglicht, wobei der Betrachter einer der zentralen Momente ist, um die Bildlogik der Werke zu begreifen. Einen Sonderweg zwischen Malerei und Skulptur, zwischen Sinnestäuschung und Wahrheit geht konsequent der Maler Rolf Rose (geb. 1933). Bereits in den frühen, auf Segeltuch gemalten Bildern, schichten sich in Falten mehrere Lagen des Bildträgers übereinander. Doch wurden Roses Bilder in den letzten Jahren immer dinghafter. Ihre Lebendigkeit beziehen die monochromen Gemälde aus dem Relief des mit einem Rakel aufgetragenen Farbmaterials. Durch minimale Variationen belebt Rose die Gemäldeoberflächen. Roses monochrome Farbkörper stellen kein Licht dar, sondern sie reagieren direkt auf das Licht – sie kommunizieren mit ihm. Durch Bearbeitung der Bildoberfläche gewinnt die Farbe an Lebendigkeit. Es entstehen Muster und Strukturen, die sich mit der Bewegung des Betrachters verändern und mit dem Licht wandern. Und tatsächlich geht es Rose um das Sehen, die Wahrnehmung, um etwas Grundsätzliches im Umgang mit Kunst, welches umgekehrt seinen Bildern entströmt. So kann es auch vorkommen, dass seine Gemälde den Betrachter an der Nase herumführen: Schraffuren wirken wie Schatten, sind aber keine. Licht scheint einzufallen, aber die Lichtquelle ist nicht zu finden. Und die Farbe, die Rose oft sehr pastos aufträgt, entwickelt mit leicht skulpturalen Effekten ein Eigenleben. Kaum noch setzt er sie als Mittel zur Darstellung ein, sondern sie wird selbst zum Gegenstand des Bildes. Phil Sims (geb. 1940) entfaltet eine sinnliche Kraft, indem er in seinen Bildern auf jegliche externe Motivik zugunsten der optischen Wirkung der Monochromie und ihrer materiellen Präsenz verzichtet. Er gehört wie Joseph Marioni zur Gruppe von Künstlern, die unter dem Begriff des Radical Painting international bekannt geworden sind. Die subtilen Unterschiede der Farbwerte dienen Sims dazu, die optischen, sinnlichen und materialen Qualitäten von Farbe auszuloten. Auf rechteckigen Leinwänden schichtet der Künstler unterschiedliche Abstufungen eines Tonwerts und fügt den Farben häufig erdige Beimischungen zu. Dadurch erscheinen seine Bilder aber auch als Objekte, an deren durch die Beimischungen entstandenen Oberflächenstruktur sich das Licht des umgebenden Raums bricht. Phil Sims betont die materiellen Eigenwerte der Farben, er variiert den Pinselduktus und die Bewegungsrichtungen, welche in der Folge entstehen, er ergründet die Mischungsverhältnisse und lässt Bildträger und Farbe in ein spannungsreiches Verhältnis treten. Peter Tollens (geb. 1954) gehört zu der jüngeren Generation von Malern, denen die Wechselbeziehung von Farbigkeit, Farbmaterie und Farbauftrag wesentlich wurde. Bei dem Versuch die Bilder von Peter Tollens zu beschreiben drängt sich vielleicht am ehesten der Begriff der monochromen Malerei auf. Seine Bilder bestehen aber nicht aus einem homogenen Farbton. Bei näherem Betrachten löst sich der monochrome Farbeindruck auf. Die Farben befinden sich nicht alle auf derselben räumlichen Ebene. Peter Tollens trägt die Farbe in Schichten auf. Er macht keine Trockenpausen, so vermischt sich die Farbe auf dem Bildträger. Farbentscheidungen werden nach einer ersten Entscheidung für eine Grundfarbe Farbschicht für Farbschicht getroffen, wobei die erste Entscheidung überholt werden kann. Minimale Farbdifferenzen und eine unterschiedliche Oberflächenmattigkeit bewirken eine enorme Tiefenwirkung. Einige der Bilder bekommen reliefartigen Charakter und treten dem Betrachter mit unheimlicher Präsenz entgegen. Die Körperlichkeit seiner Gemälde ermöglicht Erinnerungen, die für jeden Betrachter ein Höchstmaß an Präzision erreichen können. Als Gegenstände haptischen Schauens repräsentieren sie eine Wirklichkeit, die uns im virtuellen Zeitalter mehr und mehr abhanden zu kommen droht. |
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