Der 1973 in Wiesbaden geborene Künstler Jan Schmidt betont in seinen Arbeiten den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur, Leben und Zeit.
Seit 1997 hat Jan Schmidt aus den unterschiedlichsten Materialien Installationen realisiert. Sein künstlerisches Schaffen hat forschenden Charakter, was sicherlich auch auf seine wissenschaftliche Ausgangssituation (Studium der Chemie und Biologie) zurückzuführen ist. Seine Arbeiten sind unberechenbar und überraschend. Die Medien selbst sind sekundär. Ob Video, Fotografie, Installation oder Zeichnung, zuerst zählt die Idee, erst danach sucht er nach dem verwendbaren Medium. Jan Schmidt thematisiert in seinen Arbeiten auch den Ausstellungsraum als solchen, hinterfragt den Ort und seine Bedingungen. Dabei spielen die verwendeten Materialien, performative Elemente und ein direktes Reagieren auf den Raum eine wesentliche Rolle.
Dies ist besonders in seiner Installation im vorderen Raum der Galerie nachvollziehbar.
In den Videoarbeiten und Zeichnungen wird seine Beschäftigung mit zeitlichen Abläufen deutlich. Getrieben vom Gefühl, „große Zeichnungen machen zu wollen“, dabei aber sich selbst, seine eigene Handschrift aus dem Herstellungsprozess heraushalten zu wollen, entwickelte Schmidt in mehreren Anläufen ein ungewöhnliches System. Im Mittelpunkt steht ein Akkuschrauber, den er über ein einfaches Hängesystem dazu brachte, selbst einzigartige, spiralförmige Zeichnungen herzustellen.
Seine faszinierenden filigranen Skulpturen aus Graphitminen, die auf Sockel stehend präsentiert werden, sind ein Nebenprodukt aus seiner Beschäftigung mit dem Akkuschrauber.
In seinen Craquelés sieht man Jan Schmidts Auseinandersetzung mit der Sammlung der Alten Meister im Städelschen Kunstinstitut, mit denen er eng vertraut ist. Bei der Betrachtung des trauernden Evangelisten Johannes von Deodato Di Orlando, dem ältesten Gemälde des Hauses, war Schmidt zunächst nur fasziniert von den feinen Rissen auf dem Gemälde, die in seinen Augen ein wunderschönes Linienmuster, ja eine eigene Zeichnung bildeten.
Schmidt suchte nun nach einem Weg, wie er dieses Craquelé künstlerisch umsetzen, es sichtbar machen könnte, ohne – wie auch in seinen Zeichnungen - Farben zu verwenden oder eine persönliche Handschrift einfließen zu lassen. Mittels Dia projezierte er das Bild auf den weiß grundierten Bildträger und zeichnete bzw. ritzte mit einer Nadel nur die Linien des Craquelés nach. Die entstandene Ritzung ist nicht die Zeichnung von Schmidt.
Der Künstler macht eine vorgegebene Zeichnung sichtbar, die allein auf die Risse in der Malschicht der Vorlage zurückgeht.
In der Ausstellung werden neben der raumgreifenden Installation Zeichnungen, Videoarbeiten, Skulpturen, Reliefs und „Craquelés“ gezeigt.
Jan Schmidt studierte Biologie und Chemie an der TU Darmstadt, anschließend an der Kunstakademie der Universität Mainz bei Prof. Ansgar Nierhoff und bei Prof. Ayse Erkmen an der Städelschule Frankfurt/M.
Er lebt und arbeitet in Frankfurt/M.
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